Ausgewählter Beitrag

Richard von Schaukal

Bewusst werden,
heisst sündigen.

(aus: »Beiläufig« – Aphorismen [1912])
~ Richard (von) Schaukal ~

österreichischer Erzähler, Lyriker und Essayist; 1874-1942

Zitante 17.06.2019, 18.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von SM

Vielleicht hängt es an der Definition von "bewusst". Ich verstehe darunter, dass jemand seinen eigenen Weg geht, und das heißt u.U. auch, gegen den Strom zu schwimmen. Infolge dessen erscheint sein Handeln einem Andersdenkenden manchmal als falsch, sündig, unkorrekt, oder wie immer man es nennen möchte.

vom 19.06.2019, 15.14
Antwort von Zitante:

Auch das ist für mich ein sehr nachvollziehbarer Gedanke.
Es gibt ja viele Studien darüber, ab welchem Alter ein Mensch ein "Selbst-Bewußtsein" entwickelt, und auch, welche Tiere möglicherweise darüber verfügen.
4. von Gudrun Zydek

Dieses Zitat scheint es in sich zu haben. Ich finde es immer schön, verschiedene Meinungen zu hören. Und, übrigens, was der Autor sich gedacht hat, ist ganz und gar seine Sache, aber was jeder Leser sich dazu denkt, das ist wichtig und nur darauf kommt es letztendlich an. Das trifft auch auf jedes Kunstwerk zu!

Was also verstehe ich nun unter bewusst und sein Gegenteil unbewusst? Ein unbewusster Mensch entscheidet nicht selbst, es wird ihm entschieden, von welcher Instanz auch immer. Kann ein unbewusster Mensch sündigen? Das ist die Kernfrage und sie hat ihr Gegenüber in der Frage: Muss ein bewusster Mensch zwangsläufig sündigen? Die letzte Frage beantwortet sich leichter, nämlich mit nein. Nein, er muss es nicht, aber er kann, durch eigene Entscheidung, die einem unbewussten Menschen nicht möglich ist.

Die obige Aussage ist für mich genau so kategorisch wie ungenau. Führte ich sie entsprechend weiter fort, wird es - immer für mich - noch abstruser. Bewusst sein hat durchaus viele Stufen oder Ebenen. Je höher ich nun in meiner Bewusstwerdung käme, desto mehr sündigte ich?!

Vielleicht bin ich jetzt BEWUSST ein wenig zu theoretisch. Gerne würde ich weitere Meinungen hören bzw. lesen. Auch die Frage stellt sich: Auf welcher Bewusstseinsstufe stand der Autor, als er diesen Spruch schrieb?

Mit lieben Grüßen von Gudrun

vom 18.06.2019, 21.46
Antwort von Zitante:

Das sind tiefgehende Gedanken, liebe Gudrun, vielen Dank dafür. Es ist in der Tat immer wieder erstaunlich zu lesen, welche Auslegungen LeserInnen zu den verschiedenen Sprüchen haben...

Ich hatte folgenden Gedanken:
Ab dem Moment, wo sich jemand seiner selbst bewußt wird (im Sinne von Descartes Aussage: Ich denke, also bin ich) ist er bemüht, sich zu erhalten. Und diese Selbsterhaltung ist m.E. immer mit einer Portion "unmoralischen Verhaltens" verbunden, z.B. Notlügen, Täuschen usw. Das ist ja sogar in der Tierwelt durchaus üblich.
Auch ich weiß natürlich nicht, ob das auch die Gedanken des Autors sind. Meine Ausgabe seines Werkes »Beiläufig« ist beschrieben mit: Geschrieben, gefeilt, gesichtet Jänner bis August 1912. Der Autor war also zu diesem Zeitpunkt 38 Jahre alt.
Liebe Grüße zurück!
3. von Gudrun Kropp

Das heißt, wenn jemand bewusst lebt, auf sich, auf den Mitmenschen und die Umwelt achtet, sündigt er? Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Für mich in keiner Wesie nachvollziehbar ...

vom 18.06.2019, 19.54
Antwort von Zitante:

Vielleicht führen Dich die weiter oben gezeigten Kommentare zu einer ergänzenden Sichtweise?
2. von SM

Ich habe so meine Schwierigkeiten mit dem Wort "sündigen".
Aber ich versuche mich trotzdem mal an einer Auslegung des Zitats: Um bewusst und mit allen Sinnen zu leben, muss man etwaige Fehler/Fehlentscheidungen in Kauf nehmen.

Ob es der Autor so meinte, weiß ich freilich nicht.

vom 18.06.2019, 17.41
Antwort von Zitante:

Ich würde "sündigen" auch nicht im biblischen Sinne auslegen, sondern eher als "unkorrektes Verhalten den Mitmenschen gegenüber".
Ist aber auch nur so eine Auslegung...
1. von Gudrun Zydek

Na, das nenne ich eine "interessante" Auffassung.
Ich gestehe, ich bin etwas verblüfft.

vom 17.06.2019, 23.19
Antwort von Zitante:

Ich habe mir auch Gedanken gemacht, bin mir aber nicht schlüssig, ob meine weitere Fragestellung dazu zielführend ist...
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~ Arthur Schnitzler ~
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