Ausgewählter Beitrag

*Sonntagsantwort Nr. 3*

(Ein Projekt von »Sandra« und mir)

Sandras Frage vom 03.03.2019 lautete:
Diese Woche geht die närrische Zeit zu Ende. Endlich oder Schade? Und wie hältst du es mit der Fastenzeit, die damit eigentlich beginnt? 

Antwort:

Also mit Karneval kann ich ü-ber-haupt nichts anfangen, zumindest nicht in der Form, wie er hierzulande zelebriert wird. Die Sitzungen bzw. Büttenreden werden – sofern ich das an Ausschnitten, die in den Medien gesendet werden, beurteilen kann – von Jahr zu Jahr "flacher". Den Straßenkarneval würde ich mir auch nicht antun wollen.

Nur an eine richtig schöne Tradition kann ich mich erinnern: In den 80er Jahren war ich Mitglied eines dörflichen Damen-Kegelclubs. Wir verabredeten uns reihum jedes Jahr an "Altweiber" zu Kaffee und Kuchen zu Hause, dazu war "Altdamenkleidung" Pflicht. Da hatte dann das Goldhochzeits-Kleid meiner Oma jedes Jahr seinen Auftritt, zusammen mit Hütchen, Stola und Handtasche. Richtig schöne, gemütliche Nachmittage habe ich in dieser Zeit und Verkleidung verbracht…




Zum Aschermittwoch habe ich folgende frühkindliche Erinnerung: Frühmorgens, vor der Schule, war Gottesdienst angesagt. Alle Kinder mußten erscheinen, um sich das Aschekreuz abzuholen. Dann hat man sich tagelang nicht ordentlich das Gesicht, besser gesagt: die Stirn gewaschen. Wer montags in der Schule noch ein gut sichtbares Kreuz aufweisen konnte, bekam ein Fleißkärtchen. Ich war nie dabei, und in den 4 Jahren der Grundschule war ich immer enttäuscht.

Auch der Begriff »Fastenzeit« katapultiert mich regelrecht in meine Kindheit zurück. Sowohl in der Schule (es waren Nonnen, die die Schule leiteten und auch den Unterricht erteilten) als auch zu Hause wurde man bei jeder geringsten Gelegenheit darauf aufmerksam gemacht, es sei ja Fastenzeit und man solle sich auch nach den Regeln verhalten. Es war, so empfinde ich das im Nachhinein, die schwerste Jahreszeit.

Viele Jahre habe ich dann in dieser Zeit nicht anders gelebt als sonst im Jahr. Seitdem ich allerdings vor 4 Jahren knappe 17 kg abgenommen habe, nutze ich die vierzig Tage dazu, die jährlich im Winter angefutterten Pfündchen wieder loszuwerden. In diesem Jahr sind es knappe 2 kg, und die bekomme ich bis Ostern ganz bestimmt wieder abgelegt.

Und weil ich regelrecht in meine Vergangenheit eingetaucht bin hat auch meine Frage für die nächste Sonntagsantwort damit zu tun:
An welches früheste Ereignis aus Deiner Kindheit erinnerst Du Dich?


Jeder ist übrigens eingeladen, sich an diese Challenge zu beteiligen. Antworten können von Sonntag bis Samstag gebloggt werden; wer keinen eigenen Blog hat, kann seinen Text als Kommentar bei Sandra oder hier schreiben.

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Zitante 10.03.2019, 20.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Helga Sievert-Rathjens

Sehr interessant! Und das Kleid, mit dem Hütchen und der umwerfenden Handtasche, ist zum piepen. Eine tolle Idee, so etwas mal zu machen.
Hier in Norddeutschland ist das ja alles nicht üblich. Bin froh darüber, denn ich lebte mal ein Jahr in Köln und musste notgedrungen den Karnevall über mich ergehen lassen. Von Fastenzeit war danach aber nicht die Rede, die kenne ich sowieso nicht als Hamburgerin. Eigentlich bin ich auch nicht unbedingt der Fan von wochenweise fasten, finde es gesünder, wenn man das Jahr über darauf achtet. Allerdings bin ich auf diese Art mal super dick geworden, hat also nicht so geklappt mit der Disziplin. Da habe ich dann die Ernährung umgestellt und viele Jahre nur zum Frühstück Kohlenhydrate zu mir genommen. Da kamen in drei Jahren auch über 30 Kilo weniger zusammen. Zum Glück hat mich das etwas gelehrt und ich bin nun mehr auf der hut.

Das mit dem Aschekreuz auf der Stirn hatte ich noch nie gehört. Irgendwie nicht so schön die Vorstellung, entweder waschen und kein Lob oder nicht waschen und sich Lob abholen. Ist schon eine seltsame Sitte. Oder?

vom 13.03.2019, 14.22
Antwort von Zitante:

Stimmt, Helga, das Handtäschchen war auch damals der Renner! Alle wollten einen Block hineinwerfen, Spitzentaschentuch und Kölnisch Wasser waren immer darin zu finden ;-) Auch ich achte auf die Kohlenhydrate, das erzwingt geradezu eine "gesunde" Lebensmittelaufnahme.

Und der Aschermittwoch ist ja eigentlich eine christliche Tradition, die die Fastenzeit einläutet (siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Aschermittwoch); die Nonnen haben das damals wirklich übertrieben und sie zum Anlaß genommen, die Kinder, die sie besser leiden konnten als andere, vor der Klasse hervorzuheben...
1. von Ocean

Guten Abend, liebe Christa,

deine Erinnerungen zu lesen ist sehr spannend - hab Dank fürs Teilhaben-Lassen :)

Das Kleid sieht ja toll aus - eine schöne Tradition, die Ihr gepflegt habt, und angenehme Erinnerungen.

Weniger angenehm - die Fastenzeit und wie streng es bei dir geregelt war ... ich kann mir vorstellen, dass diese Zeit am schwersten für dich war damals, und dass du dann auch keine Motivation hattest, das "freiwillig" später weiterzumachen.

Deine neue Frage ist auch höchst interessant - ich bin auf jeden Fall wieder dabei, und jetzt schon gespannt auf die Antworten der Teilnehmer :) Ein wirklich schönes Projekt habt Ihr Euch ausgedacht.

Liebe Abendgrüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht dir
Ocean

vom 10.03.2019, 20.09
Antwort von Zitante:

Schön, liebe Ocean, daß Dir auch die neue Frage gefällt und Du weiterhin dabei bist. Ich bin schon sehr gespannt auf Deine Antwort!
Liebe Grüße an Dich, bis bald!
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