Ausgewählter Beitrag

*Sonntagsantwort Nr. 14*


(Ein Projekt von »Sandra« und mir)

Meine Frage von letzter Woche lautete:
»Führst Du ein Tagebuch?«

Oh, oh, diesmal habe ich die Sonntagsantwort verpaßt. Am Sonntag war ich lange und in anstrengender Mission unterwegs, am Montag plagten mich diverse Unpäßlichkeiten, und dann habe ich es "erfolgreich verdrängt", wie man so schön ausweichend für den simplen Umstand des Vergessens beschreibt...

Dabei habe ich doch eine eindeutige Antwort auf meine Frage parat, sie lautet: "Jein".

In meinen frühen Jahren habe ich es mal mit einem Tagebuch versucht, ich bekam es zu einem Geburtstag geschenkt, es hatte eine Stoffhülle mit rosa Blümchen und ein Pseudo-Vorhängeschloß, zu dem nur ich den Schlüssel besaß. Ich merkte aber sehr schnell, daß das nichts für mich war. "Liebes Tagebuch", nie wäre mir so eine Anrede eingefallen. Über Gefühle zu reden oder zu schreiben fällt mir auch heute noch schwer.

Was ich jedoch über viele Jahre gemacht habe – eigentlich so lange, wie ich über ein elektronisches Gerät verfügte, das zumindest eine einfache Textsoftware bereithielt – ist, mir wichtige Ereignisse stichpunktartig zu notieren. Weil die Software der ersten Jahre nach einer Weile nicht mehr aktuell war, habe ich diese Tagesereignisse in immer wieder neuen Anwendungen übertragen, teilweise mit sehr viel Mühe und Aufwand. Dabei habe ich auch Ereignisse, die vor der elektronischen Zeit für mich wichtig waren und die ich anhand von analogen Dokumenten nachvollziehen konnte, nachträglich eingepflegt. Momentan nutze ich das Kalender-Angebot meines Mailclients, das ich allerdings immer nur lokal abspeichere, niemals in einer "Cloud".

Dort habe ich z.B. auch gefunden, wann ich zuletzt im Kino war. Es ist sehr bequem, mit einem Stichwort nach Ereignissen zu suchen und dann angezeigt zu bekommen, wann man dieses erwähnt hat. Die Suche z.B. nach einen bestimmten Buchtitel würde mich zu dem Tagesdatum führen, an dem ich dieses gekauft bzw. geliefert bekommen habe. Auch größere Ausgaben, Familienereignisse usw. werden dort fesgehalten, aber eben immer unkommentiert. Entweder steigen bestimmte Erinnerungen an das Ereignis automatisch hervor – oder sie waren für mich im Nachhinein so unerheblich, daß sich auch eine Erwähnung nicht gelohnt hätte.

Sandra stellt die nächste Frage:

Wie sieht euer Frühstück aus?

Einen lieben Gruß an alle LeserInnen und Sonntagsantwort-Interessierte!

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Zitante 28.05.2019, 20.00

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Kommentare zu diesem Beitrag

5. von Ocean

Liebe Christa,

das ist interessant - diese Tinte hatten wir auch :) Und bei uns gab's dann auch zweiseitige Stifte, die unsichtbar schrieben - die Schrift konnte man dann mit der anderen Seite des Stiftes lesbar machen.

Liebe Sonntagsgrüße zu dir,
Ocean

vom 02.06.2019, 17.35
Antwort von Zitante:

Die Geheimtinte wurde von uns als super-super-Geheimnis gehandelt, und dabei war es doch so einfach - und alle kannten sie ;-)
Die Stifte habe ich nicht gekannt, ich vermute mal, da war ich aus dem Alter raus...
Einen lieben Gruß!
4. von Ocean

Liebe Christa,

hab Dank für Deinen Kommentar bei mir zum Tagebuch - Schreiben :)

Wegen der "Geheimschrift" - ja, zum Teil war es, um sicherzugehen, dass niemand diese Inhalte lesen kann - zum anderen hat es mir aber auch einfach total Spaß gemacht, so zu schreiben ..für Rätsel und Geheimnisse war ich als Kind (und eigentlich auch jetzt noch) sehr zu haben.

Liebe Wochenendgrüße zu dir,
Ocean

vom 01.06.2019, 17.25
Antwort von Zitante:

Liebe Ocean, zum Thema Geheimschrift blitzt da auch ein Gedanke bei mir auf: diese Geheimtinte, die nur lesbar war, wenn man das Blatt kurz von unten anheizte... Wie habe ich mich geärgert, als ich eine Nachricht von einer Freundin zu nah an die Kerzenflamme gehalten habe und das Blatt verbrannte, bevor ich auch nur im Ansatz gelesen hatte, was sie mir mitteilen wollte *gg*
Einen lieben Sommergruß zurück,
Christa
3. von Helga Sievert-Rathjens

Liebe Christa,
ja, auch ich hatte es erfolgreich verdrängt - lächel. Und "liebes Tagebuch" war mir auch nicht recht, genau wie dir. Ich lese gerade das Buch "Das verborgene Wort" von Ulla Hahn (schrecklich und schön). Da führt die Protagonistin Gespräche mit Friedrich Schiller und beginnt dann auch mit "lieber Friedrich". Die Idee finde ich ganz interessant.

Ein Tagebuch habe ich so nie geführt. Aber ich habe diverse Bücher, in denen ich stichwortartig viele meiner Gedanken eingetragen habe. Immer wenn ich dachte, das ist nun ein besonders wertvoller Gedanke (na ja, was man dann so von sich glaubt) habe ich es eingetragen. Beim Blättern später, habe ich vieles verworfen, anderes aber in Gedichten und Geschichten zusammengefasst. Also ist sozusagen meine Gedichte- und Geschichtensammlung wie ein Tagebuch, nur ohne Datum. Das Datum weiß ich dann auch nicht mehr, kann es aber zeitlich gut einordnen.


vom 30.05.2019, 14.06
Antwort von Zitante:

Auch das ist natürlich eine Art, ein Tagebuch zu führen: Gedichte und Geschichten schriftlich festzuhalten. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, daß Du diese Gefühlswelt auch jetzt noch ziemlich genau zeitlich zu verorten weißt. Bestimmt erlebst Du ganz berührende Momente, wenn Du diese Texte hervorkramst und Dich darin vertiefst!
Danke für Deine Worte zum Thema!
2. von SM

Guten Abend Zitante Christa,

ich führe kein Tagebuch, aber ich habe einmal während eines Jahres ein paar Erlebnisse in einer Art Liste mit Stichpunkten festgehalten. Das war sortiert nach aus meiner Sicht positiven und weniger positiven Ereignissen. "Liste" klingt jetzt etwas nüchtern, aber immerhin war sie schön geschrieben mit einem tollen Füller mit breiter Feder. Die Antworten hier regen mich dazu an, so eine Liste wieder anzufangen. Es war schön zu sehen, dass die positive Seite viel mehr Eintragungen hatte als die andere.

Viele Grüße von SM

vom 29.05.2019, 19.40
Antwort von Zitante:

Guten Abend, SM!
Ein Tagebuch in der Form "das war gut" und "das war nicht so gut" zu führen ist bestimmt auch mal interessant. Ja, und das Schreiben mit einem Füllfederhalter! Das habe ich in den letzten Jahren auch immer mal wieder gestartet und mir sogar entsprechende Schreibgeräte, Tinte, Löschblätter usw. dazu gekauft. Die Abstände zwischen den Schreiben waren dann immer zu lang, die Tinte eingetrocknet, die Feder nicht mehr ordentlich zu säubern usw.
Das mit einem Füller Handgeschriebene hat einen ganz anderen Charakter als die flüchtigen Notizen mit Kugelschreiber. Mein früherer Chef hat die Briefe, die mit Textverarbeitung geschrieben und ausgedruckt waren, immer (!) mit einer persönlichen Notiz mit grüner Tinte vor der Unterschrift ergänzt. Sein Markenzeichen sozusagen. Ich fand das toll – und die Empfänger bestimmt auch!
Viele Grüße zurück.
1. von Ocean

Liebe Christa,

deine aktuelle Frage ist ja genau "mein Thema" - Tagebücher haben mich seit jeher begeistert und fasziniert.

Der Vorteil des einfacheren Suchens bei den elektronischen Aufzeichnungen ist natürlich unschlagbar. Schön, dass du das so regelmäßig gepflegt hast. Ich habe schon oft in den letzten Jahrzehnten nach bestimmten Ereignissen gesucht - in meinen Papier-Aufzeichnungen - und damit dann "Stunden" verbracht, vor allem wenn ich das Jahr nicht mehr wußte. Dabei bin ich dann aber auch über andere, halb vergessene Erinnerungen gestolpert :)

Viele liebe Grüße zu dir,

ich wünsche dir ein schönes langes Wochenende,
Ocean

vom 29.05.2019, 18.51
Antwort von Zitante:

Liebe Ocean,
den Beitrag zum Thema Tagebuch bei Dir habe ich mit großem Interesse gelesen – auch das Foto dazu: Was für einen Schatz Du da besitzt!
Als meine Mutti vor 1,5 Jahren in eine sehr viel kleinere Wohnung in eine Seniorenresidenz umgezogen ist, hat sie ihre sämtlichen Tagebücher vernichtet. Wie oft bat ich sie, das doch nicht zu tun, aber sie war fest der Überzeugung, sie hätte jetzt keinen Platz mehr dafür. Es war für sie wohl auch einen Lebensabschnitt-Abschied, den sie ganz hinter sich lassen wollte. Gerade letzten Sonntag fragte ich sie noch einmal, ob sie es nicht bedaure, diese Erinnerungen "entsorgt" zu haben. Sie meinte nicht, ich bin mir nicht ganz so sicher, daß sie es vielleicht doch noch eines Tages bedauern wird.
Auch Dir ein paar schöne Tage bis zum Start Deiner nächsten Arbeitswoche!
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